ACTIVATE entwickelt ein KI‑gestütztes, cyber‑physisches Gesamtsystem, das flexible Stromverbrauchs‑ und Erzeugungsanlagen – von E‑Fahrzeugen und Wärmepumpen bis zu Rechenzentren – netz‑, markt‑ und tariforientiert steuert und damit einen wirtschaftlich tragfähigen Pfad für Flexibilität auf der Niederspannungsebene eröffnet. Ausgangspunkt ist die wachsende (positive und negative) Spitzenlastproblematik der Energiewende: Bereits 2024 stammen rund 47 % des EU‑Stroms aus erneuerbaren Quellen; ohne aktive Lastverschiebung drohen EU‑weite Netzausbaukosten von etwa 2,3 Billionen Euro bis 2040. Simulationsdaten eines „Digital Twins“ mit 1 100 Haushalten zeigen, dass hohe PV‑ und E‑Mobility‑Durchdringung die positiven wie negativen Lastspitzen nahezu vervierfacht, während gezielte Flexibilitätsaktivierung sie halbieren könnte.
Das Projekt bündelt lokale Flexibilitäten in einem Distribution‑Level‑Aggregator, der ihren Abruf entlang dreier Verwertungsschienen priorisiert: unmittelbare Netzdienlichkeit zur Spitzenlastreduktion, Arbitrage am Spotmarkt und Senkung lastabhängiger Netzentgelte. Kern ist ein selbstlernender AI‑driven Load Controller, der verfügbare Flexibilität 24 Stunden im Voraus prognostiziert, im 15‑Minuten‑Raster Pareto‑optimale Fahrpläne erstellt und sich kontinuierlich an Nutzerpräferenzen, Netz‑ sowie Marktsignale anpasst. Datenschutz wird durch Differential Privacy und Secure Multiparty Computation sichergestellt. Neuartig ist die durchgängige Kopplung technischer Steuerung, ökonomischer Optimierung und regulatorischer Schnittstellen bis hinunter auf Netzebene 7; beide Hauptkomponenten werden bis TRL 4 validiert.
Zwischen 2026 und 2028 gliedern sich die Arbeiten in sieben Pakete: Projekt‑, Risiko‑ und Datenmanagement; Erstellung eines techno‑ökonomischen Lastenhefts samt Preisbildungs‑ und Revenue‑Simulationen; technisches und organisatorisches Set‑up der Anwendungen; Entwicklung von Sensorik‑, Daten‑ und KI‑Modulen; Aufbau einer IoT‑Simulationsumgebung mit Datenschutz‑Layer und Aggregator‑Prototyp; Feldtests in drei realen Szenarien – einer Dienstwagenflotte der Sparkasse OÖ, dem multifunktionalen JKU‑Campus sowie einem geografisch verteilten „Reallabor Waldviertel“ – sowie die Bewertung von Wirkung, Policy‑Lehren und Dissemination.
Erwartet werden technische Proof‑of‑Concept‑Nachweise für alle drei Erlöspfade, eine Reduktion von Lastspitzen um mindestens 50 % bei gleichzeitiger Kosteneinsparung von bis zu 20 % für Endnutzer und ein übertragbarer Software‑Baukasten für Netzbetreiber und Aggregatoren, ergänzt um gender‑sensible Nutzeroberflächen. Die Ergebnisse fließen in evidenzbasierte Empfehlungen zur Weiterentwicklung des österreichischen Elektrizitätswirtschaftsgesetzes, zu zukünftigen Flex‑Plattformen sowie zu technischen und organisatorischen Regeln.
Das neunköpfige Konsortium spannt den Bogen von Forschung (Energieinstitut JKU, Pro²Future, LIT) über Technologieanbieter (Siemens) und Energiewirtschaft (EVN) bis hin zu Praxis‑Hosts und einem spezialisierten Beratungsunternehmen. Es stärkt Österreichs Position in globalen Wertschöpfungsketten für Smart‑Charging‑ und Flex‑Technologien, reduziert Netzausbau‑Investitionen, erhöht die Aufnahmefähigkeit für erneuerbare Energien und schafft neue Geschäftsmodelle für Verbraucher, Netzbetreiber und Technologieanbieter.

